Dyskinesien bei Parkinson: Ursachen, Symptome, Behandlung

Sie sind eine häufige motorische Komplikation, die bei der medikamentösen Behandlung von Parkinson auftreten kann: sogenannte Dyskinesien oder Überbewegungen. Dabei handelt es sich um spontan auftretende, unwillkürliche, also nicht beeinflussbare Bewegungen eines Körperteiles oder einer Körperregion. Sie können sich in Form von leichten oder deutlich ausgeprägten Zuckungen und Verdrehungen der Arme oder Beine zeigen, in ruckartigen Bewegungen der Hände oder im Schneiden von Grimassen. Dyskinesien können den Alltag und das Leben von Betroffenen erheblich stören, denn sie beeinträchtigen unter anderem auch das Sprechen, Ankleiden sowie das Essen.

Was genau steckt hinter diesem Phänomen und was verursacht diese unwillkürlichen, unkontrollierbaren Bewegungen bei Parkinson? Wie äußern sich Dyskinesien und was können Sie dagegen tun? Erfahren Sie hier alle wichtigen Informationen über eine mögliche Komplikation der Parkinson-Krankheit.

Dyskinesien bei Parkinson: Was ist das?

Dyskinesie ist ein medizinischer Begriff, der hauptsächlich im Bereich der Neurologie benutzt wird. Dabei liegt eine Störung im normalen (physiologischen) Bewegungsablauf eines Körperbereichs oder Organs vor. Dyskinesie bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes eine abnorme Bewegung. Es sind nicht willentlich beeinflussbare Bewegungen, die spontan auftreten. Bei der Parkinson-Krankheit entstehen Dyskinesien des Gesichts, Rumpfes oder der Extremitäten in der Regel im Rahmen der medikamentösen Behandlung – oft aufgrund der langjährigen Einnahme von Levodopa (L-Dopa), dem wichtigsten Parkinson-Medikament, das den Dopaminspiegel im Gehirn erhöht. Daher sprechen Mediziner auch von Levodopa-induzierten Dyskinesien oder medikamentenassoziierten Dyskinesien.

Häufigkeit: Wie oft treten Dyskinesien bei Parkinson auf?

Die Therapie mit Levodopa spricht in den ersten Jahren der Parkinson-Krankheit in der Regel gut an. Im weiteren Verlauf entstehen jedoch Wirkungsschwankungen mit Phasen, in denen das Medikament gut wirkt (On-Phasen) und Phasen mit Wirkverlust (Off-Phasen) sowie Phasen der Überbeweglichkeit, den Dyskinesien. Diese motorischen Fluktuationen treten bei der Parkinson-Krankheit häufig auf. Bei etwa 40 Prozent der Parkinson-Patienten treten Dyskinesien nach etwa vier bis sechs Jahren der L-Dopa-Langzeiteinnahme auf.

Dyskinesien bei Parkinson: Ursachen

Die Ursache für Dyskinesien ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Klarheit besteht aber darüber, dass die Überbewegungen am häufigsten im Zusammenhang mit einer dauerhaften Einnahme von Levodopa und durch den fortschreitenden Verlauf von Parkinson auftreten. Die meisten Parkinson-Patienten erhalten zu Beginn der Therapie das Medikament Levodopa (L-Dopa), um die typischen motorischen Symptome Bradykinese (Bewegungsverlangsamung), Rigor (Muskelsteifigkeit) und Tremor (Zittern) zu behandeln. Und das gelingt auch für längere Zeit sehr gut – Stichwort Honeymoon-Phase, in der die Symptome teilweise vollständig verschwinden.

L-Dopa hilft, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen, der bei der Parkinson-Krankheit entsteht. Der Grund dafür liegt im fortschreitenden Untergang der Nervenzellen der schwarzen Substanz (Substantia nigra), die den Botenstoff (Neurotransmitter) Dopamin produzieren und speichern. Im Krankheitsverlauf haben die dopaminergen Nervenzellen immer größere Probleme, für normale Bewegungsabläufe zu sorgen. In der Folge muss die Dosis von Levodopa erhöht und regelmäßig angepasst werden. Trotzdem kommt es leider auch zu Schwankungen in der Wirkung, weil Patienten sensibler darauf reagieren.

Wirkungsschwankungen im Medikamenten-Spiegel

Wenn der L-Dopa-Spiegel im Blut am höchsten ist – etwa ein oder zwei Stunden nach Einnahme des Medikaments – können sogenannte “Peak-Dose”-Dyskinesien auftreten. Das kommt besonders dann vor, wenn Levodopa in hoher Dosierung eingenommen wird. Doch auch, wenn die Wirkung von L-Dopa mit der Zeit nachlässt, können solche Überbewegungen auftreten. Dies ist jedoch seltener der Fall.

Dyskinesien bei Parkinson: Symptome

Dyskinesien werden von Betroffenen ganz unterschiedlich beschrieben, die Überbewegungen zeigen sich auf individuelle Weise: von leichten Ticks im Gesicht bis hin zu unkontrollierten Rucken und zappelnden, tanzenden Bewegungen eines Körperteils oder auch des gesamten Körpers ist alles in verschiedener Ausprägung möglich.

Es besteht eine mehr oder weniger große Bewegungsunruhe mit Nervosität, Wackeln, Zuckungen, Verdrehungen und sich wiederholenden Bewegungen, die alltägliche Tätigkeiten deutlich erschweren oder unmöglich machen können. Plötzlich wird das An- und Ausziehen von Kleidung, das Schnüren der Schuhe oder auch das Essen zu einer großen Herausforderung.

Dyskinesien können auf viele verschiedene Arten auftreten:

  • Sie betreffen einen oder mehrere Körperteile oder den gesamten Körper.
  • Sie können chronisch oder kurzlebig sein.
  • Sie sind überschaubar oder lähmend.
  • Sie treten zufällig oder rhythmisch auf.
  • Sie fühlen sich leicht oder schmerzhaft an.
  • Sie treten plötzlich auf oder entwickeln sich allmählich.
  • Sie beginnen, wenn Sie in Ruhe oder in Bewegung sind.

Häufige unwillkürliche Bewegungen einer Dyskinesie:

  • Zappeln
  • Ruckartige Bewegungen
  • Muskelkrämpfe
  • Schwanken oder Schaukeln
  • Windende oder wackelnde Bewegungen

Dyskinesien bei Parkinson: Diagnose

Dyskinesien treten in unregelmäßigen Abständen auf und erzeugen verschiedene Bewegungsformen, die anderen motorischen Parkinson-Symptomen zum Verwechseln ähneln. Das erschwert Ärzten, die richtige Diagnose zu stellen, die für die folgende Behandlungsentscheidung wichtig ist.

Differenzialdiagnose: “Peak-Dose”-Dyskinesien, Tremor oder Dystonie?

„Peak-Dose“-Dyskinesien, aufgrund eines hohen L-Dopa-Blutspiegels nach der Einnahme des Medikaments, treten am häufigsten auf. Wichtig für die Behandlungsstrategie ist jedoch, dass behandelnde Ärzte unterscheiden müssen, ob es sich bei der Bewegungsstörung auch wirklich um Dyskinesien handelt oder ob sich hinter dem Symptom nicht doch ein ausgeprägter Tremor oder eine anhaltende Muskelverkrampfung (Dystonie) verbirgt.

Die richtige Diagnose ist von entscheidender Bedeutung, um eine richtige Therapie einzuleiten. Es gibt tragbare Geräte, sogenannte “Wearables”, die Überbewegungen und den Unterschied zum Tremor erkennen und damit helfen, Dyskinesien bei Parkinson zu bestätigen.

Bei der Behandlung von Dyskinesien wäre eine mögliche Option, die Dosis des Medikaments L-Dopa zu reduzieren. Liegt jedoch ein klassischer Parkinson-Tremor vor, wäre die Behandlungsentscheidung genau das Gegenteil, nämlich die Therapie mit Levodopa oder einem Dopaminagonisten. Wird in diesem Fall eine falsche Entscheidung getroffen, kann es fatale Folgen haben: Die Bewegungsabläufe verschlechtern sich deutlich und die Lebensqualität wird ebenfalls beeinträchtigt.

Dyskinesien bei Parkinson: Behandlung

Die Therapie von Dyskinesien bei Parkinson basiert auf einer Anpassung der medikamentösen Behandlung und darauf, mit nicht-medikamentösen Behandlungen die Überbewegungen zu reduzieren und die Lebensqualität zu steigern.

Medikamentöse Behandlung von Dyskinesien

Bei der medikamentösen Therapie von Dyskinesien gibt es drei Optionen: Die Medikation kann angepasst, der Zeitpunkt der Einnahme verändert und zusätzliche Medikamente eingenommen werden. Eine gute Balance bei der Anpassung der Medikamente zu finden, ist nicht einfach. Eine geringere Dosis Levodopa verbessert möglicherweise Dyskinesien, dafür können sich andere motorische Symptome verschlechtern, was auch keine gute Option ist.

Daher können alternative Medikamente zu L-Dopa eingesetzt werden, um die Überbewegungen zu reduzieren, zum Beispiel:

  • Amantadin (NMDA-Rezeptorantagonist): Amantadin sollte zur Reduktion von Levodopa-induzierten Dyskinesien im fortgeschrittenen Stadium angewendet werden. Der Wirkstoff soll die unkontrollierten Bewegungen deutlich reduzieren, ohne die Parkinson-Symptome zu verschlechtern.
  • Safinamid aus der Gruppe der MAO-Hemmer, ein Dopaminagonist, kann in Kombination mit Levodopa zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Dyskinesien erwogen werden. Die Datenlage zur Wirkung und Dosis von Safinamid auf Dyskinesien ist laut der aktuellen Parkinson-Leitlinie (2025) jedoch nicht eindeutig.
  • Dopaminagonisten: COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer sollen aber die Wirkungsschwankungen abmildern und damit Dyskinesien lindern.

Es besteht auch die Möglichkeit, Levodopa in geringerer Dosis, dafür aber häufiger oder die Arznei in Form eines sogenannten Retardpräparates einzunehmen. Dabei wird der Wirkstoff langsamer freigesetzt und die Wirkung hält länger an.

Frühstadium: Levodopa durch Dopaminagonisten ersetzen?

Ein weiterer Ansatz sieht vor, den Einsatz von Levodopa – der oft der erste Schritt zur Behandlung der Parkinson-Krankheit ist – möglichst lange hinauszuzögern, um das Auftreten von Dyskinesien im späteren Stadium ebenfalls aufzuschieben. Hier könnten alternativ Dopaminagonisten eingesetzt werden, die den Einsatz von Levodopa um einige Jahre verzögern und die später womöglich keine Dyskinesien als Nebenwirkung hervorrufen können.

Dieser Ansatz wird inzwischen aus bestimmten Gründen nicht mehr verfolgt: Dopaminagonisten lösen zwar keine Dyskinesien aus, haben dafür aber eine ganze Reihe anderer möglicher Nebenwirkungen am Start, wie zum Beispiel Impulskontrollstörungen, Ödeme an Unterschenkel und Füßen oder eine stark ausgeprägte Müdigkeit am Tag. Diese Nebenschauplätze müssen ebenfalls kontrolliert und behandelt werden. Ein weiterer Grund: Die Erstbehandlung mit Dopaminagonisten schützt nicht vor Dyskinesien, wenn später letztendlich doch Levodopa notwendig wird.

Interessant: Vielen Parkinson-Patienten ist die Behandlung motorischer Symptome mit Levodopa wichtiger, dafür nehmen sie dann mögliche Dyskinesien in Kauf.

Injektionen bei Dyskinesien mit einem Pen-Injektor (Injektionsstift)

Wenn in der Spätphase von Parkinson vermehrt Wirkungsschwankungen und dadurch On- und Off-Dyskinesien auftreten, wäre auch Injektion per Pen-Injektor (Injektionsstift) eine Behandlungsoption, um die Beweglichkeit wieder herzustellen. Dabei werden Medikamente wie zum Beispiel Apomorphin aus der Gruppe der Dopaminagonisten mit einem Pen subkutan, also unter die Haut, injiziert. Voraussetzungen für die Anwendung sind kognitive und motorische Fähigkeiten, um die Injektion selbstständig durchführen zu können und das eindeutige Auftreten von On- und Off-Phasen. Für Parkinson-Patienten, die eventuell eine Parkinson-Demenz entwickelt haben, wäre diese Behandlungsmethode ungeeignet.

Tiefe Hirnstimulation bei Dyskinesien

Treten bei Ihnen mehr als zwei Stunden täglich Off-Phasen mit schlechter Symptomkontrolle auf? Oder dauern Dyskinesien bei Ihnen länger als eine Stunde pro Tag an? In diesen schwerwiegenden Fällen könnte auch eine tiefe Hirnstimulation (THS) in Betracht gezogen werden. Bei diesem operativen Eingriff werden Elektroden in bestimmte Gehirnareale implantiert, die elektrische Impulse abgeben und auf diese Weise Dyskinesien und andere motorische Symptome der Parkinson-Krankheit behandeln.

Nicht-medikamentöse Behandlung von Dyskinesien

Wichtige Bausteine der Parkinson-Therapie und damit auch der Behandlung von Dyskinesien sind die Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie. Sie kommen unterstützend zum Einsatz:

  • Physiotherapie: Die Krankengymnastik richtet den Fokus auf bestimmte Bewegungsübungen, um die Koordination und Kontrolle der Motorik zu verbessern und Stürze zu vermeiden. Die Übungen sollten auch außerhalb der Physiotherapie im Alltag regelmäßig trainiert werden.
  • Ergotherapie: Im Rahmen der Ergotherapie werden auch mit gezielten Übungen verschiedene Handlungsabläufe und feinmotorische Fähigkeiten trainiert, um die Selbstständigkeit zu unterstützen. Ergotherapeuten informieren Sie außerdem über die vielen Hilfsmittel für den Alltag oder Hilfsmittel zum Gehen, die das Leben mit Parkinson – trotz Bewegungseinschränkungen – erleichtern sollen.
  • Psychotherapie: Die Parkinson-Krankheit mit all den vielen Symptomen kann das Leben ganz schön belasten. Eine Verhaltenstherapie kann auch bei Dyskinesien hilfreich sein, besser mit den unkontrollierten Überbewegungen und Einschränkungen des Alltags umzugehen und Stress, Frust und Ängste besser zu bewältigen.

Entspannungsverfahren gegen Stress und Anspannung

Mit verschiedenen Entspannungsmethoden wie Progressive Muskelentspannung, Meditation und Atemübungen können Sie das Nervensystem beruhigen und damit möglicherweise positive Effekte auf die unkontrollierten Überbewegungen erreichen. Zudem reduzieren verschiedene Entspannungsmethoden Anspannungen und Stress und fördern das körperliche und psychische Wohlbefinden.

Sportliche Aktivitäten und Bewegung im Alltag

“Patienten merken sehr schnell, dass sie selbst etwas bewirken können, wenn sie jeden Tag ihr Training machen”, erzählt der renommierte Wissenschaftler und Experte auf dem Gebiet der Bewegungswissenschaften Dr. phil. Heiko Gaßner in unserem Interview. Regelmäßige sportliche Aktivitäten helfen dabei, die Muskelkoordination, die allgemeine Beweglichkeit und Muskelkraft zu verbessern. Außerdem wirkt sich Sport positiv auf unsere Psyche und unseren Körper aus und lindert Stress, was sich wiederum entspannend auf Dyskinesien auswirken kann.

“Das Wichtigste ist, dass es Spaß machen muss. Wer tanzen möchte, soll tanzen, wer lieber Nordic Walking macht oder schwimmen geht, der soll auch das bitte weiterhin tun“, rät Dr. Gaßner.