Dopaminmangel bei Parkinson: Ursachen, Symptome, Behandlung

Ein Dopaminmangel ist bei der Parkinson-Krankheit das zentrale Problem und für viele Symptome der neurodegenerativen Erkrankung verantwortlich. Wir kennen Dopamin wohl am ehesten als Glückshormon, das uns Lust und Freude bereiten soll. Doch Dopamin ist so viel mehr als nur ein Botenstoff für Glück, denn es ist an vielen weiteren Funktionen unseres Körpers beteiligt: Dopamin steuert emotionale und geistige Reaktionen sowie motorische Fähigkeiten und ist damit für unsere Bewegung, Motivation und Belohnung zuständig. Bei einem Parkinson-bedingten Dopaminmangel ist insbesondere die Motorik – also das Vermögen, Bewegungen flüssig und koordiniert ablaufen zu lassen – beeinträchtigt.

Wir möchten Sie darüber informieren, was sich hinter dem Botenstoff Dopamin alles verbirgt, wie ein Dopaminmangel bei Morbus Parkinson entsteht, welche Symptome dadurch hervorgerufen werden und wie die Behandlung des Dopaminmangels bei Parkinson aussieht.

Was genau ist eigentlich Dopamin?

Auch wenn Dopamin oft als Glückshormon bezeichnet wird, ist dem nicht so: Dopamin ist kein Hormon, sondern ein chemischer Botenstoff, der dafür sorgt, dass unsere Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn miteinander kommunizieren können. Dafür überträgt Dopamin Signale zwischen den Nervenzellen. Es ist also ein Nervenstoff, ein sogenannter Neurotransmitter. Zentrales Dopamin wird im Gehirn gebildet und übernimmt dort verschiedene Aufgaben. Durch die sogenannte Blut-Hirn-Schranke – eine Art Schutzbarriere zwischen unserem Gehirn und dem Blutkreislauf – ist es vom peripheren Dopamin, also in anderen Körperregionen außerhalb des Gehirns, separiert. Neuronen, in denen Dopamin steckt, werden dopaminerg genannt.

Wo im Gehirn wird zentrales Dopamin gebildet?

Dopaminerge Nervenzellen sitzen in unserem Zentralnervensystem (ZNS), insbesondere im Mittelhirn. Zentrales Dopamin wird in folgenden Hirnregionen gebildet:

  • Schwarze Substanz (Substantia nigra): Eine Region im Mittelhirn, die hauptsächlich an der Bewegung und Belohnung mitwirkt. Bei Parkinson sterben genau in diesem Bereich die dopaminergen Nervenzellen ab, was zu einem Dopaminmangel führt.
  • Area tegmentalis ventralis (Nervenzellgruppen des Mittelhirns): In dieser Hirnregion befindet sich ebenfalls Dopamin. Hier kommunizieren die Neuronen über den Neurotransmitter miteinander. Dopamin spielt hier eine Schlüsselrolle für unser Belohnungssystem.
  • Striatum – Gebiet des Vorderhirns, das zu den Basalganglien gehört: Hier spielt das gebildete Dopamin eine wichtige Rolle für die Regulierung motorischer und kognitiver Funktionen, bei Motivationsvorgängen und im Belohnungssystem.

Wirkung von Dopamin in unserem Körper

Dopamin lenkt unsere emotionalen, geistigen und motorischen Reaktionen. In seiner Wirkung kann der Botenstoff die Vorfreude auf etwas auslösen und ist zudem verantwortlich dafür, dass wir Glücksgefühle empfinden. Es gibt aber noch einige weitere Funktionen, für die wir den Botenstoff Dopamin im Körper benötigen:

  • Dopamin leitet Befehle des Nervensystems an die Muskulatur weiter.
  • Dopamin steigert die Wahrnehmungsfähigkeit.
  • Dopamin hemmt die Ausschüttung des Hormons Prolaktin, dass die Muttermilchbildung fördert.
  • Dopamin reguliert die Durchblutung der Bauchorgane.
  • Dopamin fördert die Stimmung und Glücksgefühle.
  • Dopamin steuert die Feinkoordination als Reaktion auf akuten Stress im Zusammenspiel mit Serotonin und den aus Dopamin gebildeten Hormonen Noradrenalin und Adrenalin.

Zusammengefasst können wir sagen, dass Dopamin wichtige Funktionen zur Regulation und Förderung unserer Bewegungen, Koordination, Stimmung, Konzentration, Motivation und geistiger Leistungsfähigkeit innehat.

Gesundheitliche Folgen von zu viel oder zu wenig Dopamin im Körper

Dopamin gilt als wichtiger Marker für bestimmte Erkrankungen. Einen Mangel an Dopamin kennen wir im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit oder bei Depressionen und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Ein zu hoher Dopaminwert hingegen weist möglicherweise auf Schizophrenie (Wahn, Halluzinationen), Tumoren oder Vergiftungen mit Medikamenten hin.

Eine zu hohe Ausschüttung von Dopamin und ein damit einhergehender Lustgewinn können auch dafür verantwortlich sein, dass Menschen ein Suchtverhalten entwickeln. Unser Belohnungssystem wird zum Beispiel durch den Genuss von Alkohol oder anderen Drogen getriggert, die die Ausschüttung von Dopamin anregen.

Ursachen: Wie entsteht der Dopaminmangel bei Parkinson?

Was wir wissen, ist, dass bei der Parkinson-Krankheit dopaminerge Nervenzellen in der Substantia nigra absterben und dass dieser Prozess im Krankheitsverlauf nicht gestoppt werden kann. Warum die Nervenzellen aber untergehen, ist nach wie vor nicht sicher geklärt. Die Wissenschaft geht inzwischen davon aus, dass mehrere Faktoren als Ursache dafür infrage kommen können:

  • Fehlerhaft gefaltetes Alpha-Synuclein (Eiweiß) in den Nervenzellen der Substantia nigra. Das Eiweiß ist für die Ausschüttung von Dopamin verantwortlich.
  • Umweltgifte, z. B. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden) und Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden), Schwermetalle wie Blei oder Quecksilber.
  • Eine gestörte Darmflora wird von Wissenschaftlern auch als Ursache für Parkinson vermutet, denn in den Nervenzellen des Darms von Parkinson-Betroffenen wurden die typischen Eiweißablagerungen gefunden, die dann möglicherweise ins Gehirn gelangt sind.
  • Ein fehlgeleitetes Immunsystem könnte auch bei Parkinson fälschlicherweise die dopaminergen Nervenzellen in der schwarzen Substanz angreifen und vernichten. Wahrscheinlich erkennen die Zellen des Immunsystems das fehlerhafte Alpha-Synuclein und bekämpfen es.
  • Oxidativer Stress ruft Entzündungen hervor und strapaziert zudem die Nervenzellen, weil die Balance zwischen der Bildung von freien Radikalen (Oxidantien) und die Funktion des Körpers, diese mithilfe von sogenannten Antioxidantien zu neutralisieren, gestört ist. Vor allem die Nervenzellen der schwarzen Substanz leiden unter oxidativem Stress und sterben schneller ab.
  • Unser Alter als unveränderbarer Faktor spielt auch eine Rolle beim natürlichen Abbau von Nervenzellen. Das Lebensalter ist sogar einer der größten Risikofaktoren für die Entstehung von Parkinson.
  • Genetische Veränderungen können auch eine Ursache für den Dopaminmangel bei Parkinson sein: Mehrere veränderte Gene weisen Abweichungen von der Norm auf, wie z. B. das sogenannte SNCA-Gen, das für die Bildung von Alpha-Synuclein zentral ist, was wiederum für die Dopaminfreisetzung verantwortlich ist.
  • Medikamente, die zur Behandlung eines Dopaminüberschusses (z. B. bei Wahn, Halluzinationen) eingesetzt werden, können bei einer Überdosierung einen vorübergehenden Dopaminmangel hervorrufen.

Symptome: Wie zeigt sich ein Dopaminmangel bei Parkinson?

Die vielen Symptome der Parkinson-Krankheit zeigen die Auswirkungen eines ausgeprägten Dopaminmangels. Insbesondere die motorischen Symptome treten deutlich hervor, aber auch psychische Beschwerden stehen mit einem Dopaminmangel in einem Zusammenhang – abhängig vom Stadium der Erkrankung.

Motorische Symptome aufgrund des Dopaminmangels

Kardinalsymptome wie eine Bewegungsverlangsamung (Bradykinese), Zittern (Tremor, Ruhetremor) und Muskelsteifigkeit (Rigor) sind die charakteristischen motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit. Die Bewegungen erscheinen ungeschickt, die Gliedmaßen zittern, der Gang von Betroffenen wirkt unsicher (Gangstörungen), die Schritte sind klein und gehemmt, das Gleichgewicht gestört, die Haltung instabil (posturale Instabilität). Auch die Muskeln im Gesicht erscheinen mit der Zeit erstarrt und maskenhaft (Maskengesicht) und manchmal kommt es auch zu einem Kopfwackeln.

Nicht-motorische Symptome durch den Dopaminmangel

Bei der Parkinson-Krankheit wird auch das vegetative Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen. Dadurch entstehen Symptome, die zunächst nicht mit einem Dopaminmangel in Zusammenhang gebracht werden. Die vielen nicht-motorischen Symptome, die nicht die Motorik, also die Bewegung und Koordination betreffen, können unter anderem sein:

  • Verdauungsstörungen, z. B. gehemmte Verdauung, Verstopfung
  • Schluckstörungen
  • Schlafstörungen, z. B. Einschlaf- oder Durchschlafstörungen, ungewöhnliche Tagesmüdigkeit, Erschöpfung
  • (Harn-) Inkontinenz
  • Vermehrter Speichelfluss und unkontrolliertes Schwitzen
  • Kognitive Einschränkungen, z. B. Gedächtnisstörungen, reduzierte Gedächtnisleistung, Parkinson-Demenz
  • Psychische Probleme, z. B. Angst, Depression
  • Motivationslosigkeit, Antriebslosigkeit

Diagnose: So stellen Ärzte einen Dopaminmangel fest

Hinter einem Dopaminmangel können verschiedene ursächliche Erkrankungen stecken, neben der Parkinson-Krankheit zum Beispiel ADHS, Demenz, Depressionen oder auch ein Burnout-Syndrom. Um die Diagnose Parkinson zu stellen, müssen die anderen Möglichkeiten ausgeschlossen werden. Auch hinter den für Morbus Parkinson typischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifigkeit oder Antriebslosigkeit können sich andere neurologische Erkrankungen verbergen.

Anamnese, bildgebende Verfahren und Tests

Neben einer ausführlichen Anamnese (Gespräch über die Krankengeschichte und Symptome) können daher auch bildgebende Verfahren wie beispielsweise die sogenannte Positronen-Emissions-Tomografie (PET) oder Single-Photon-Emissions-Computertomographie (SPECT) zum Einsatz kommen. Diese Verfahren sollen die Funktion der Zellen im Gehirn beurteilen, die Dopamin bilden. Blutuntersuchungen und Labortests geben ebenfalls Auskunft über mögliche andere Ursachen.

Wichtig für die Diagnose von Parkinson ist auch ein sogenannter L-Dopa-Test. Levodopa (L-Dopa) ist das wichtigste Medikament, um die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit in Schach zu halten und den Dopaminmangel auszugleichen. Wird L-Dopa im Rahmen der Diagnosestellung verabreicht und sollten danach motorische Symptome wie Zittern nachlassen, ist dies ein wertvoller Hinweis.

Therapie: Wie wird ein Dopaminmangel bei Parkinson behandelt?

Der wichtigste Baustein der Therapie des Dopaminmangels bei Parkinson ist die medikamentöse Behandlung. Aber auch gerätegestützte Therapien wie die tiefe Hirnstimulation oder Pumpentherapie sowie unterstützende Behandlungen wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Psychotherapie kommen bei einem Parkinson-bedingten Dopaminmangel zum Einsatz, um die körperlichen und psychischen Symptome der Erkrankung zu lindern:

  • Medikamente: Die wichtigsten Parkinson-Medikamente sind Levodopa (L-Dopa), Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer.
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Der operative Eingriff kommt unterstützend zum Einsatz, wenn die Wirkung der Medikamente im Krankheitsverlauf nachlässt. Die THS eignet sich aber nicht für alle Parkinson-Patienten. Ausführliche Informationen bekommen Sie hier: THS bei Parkinson.
  • Pumpentherapie: Viele Parkinson-Patienten leiden im Verlauf der Erkrankung unter Wirkungsschwankungen (”On-Off-Phasen”) der Medikamente. Pumpentherapien können dann Anwendung finden, um den Medikamentenspiegel stabil zu halten. Mehr dazu finden Sie in unserem informativen Artikel: Pumpentherapien bei Parkinson.
  • Physiotherapie: Regelmäßige Krankengymnastik ist fester Bestandteil der Parkinson-Therapie. Dazu gehören auch Massagen oder Wärmeanwendungen. Die Physiotherapie ist eine wunderbare unterstützende Maßnahme, um Symptome wie Rigor (Muskelsteifheit) oder eine Bewegungsverlangsamung (Bradykinese), die durch den Dopaminmangel hervorgerufen werden, zu behandeln.
  • Ergotherapie: Sie unterstützt Parkinson-Patienten bei verschiedenen Einschränkungen durch die Krankheit. Mittels Übungen und Hilfsmitteln sollen alltägliche Handlungen leichter zu bewältigen sein und z. B. das Anziehen und die Nahrungsaufnahme erleichtern. Ziel der Ergotherapie ist es, die Selbstständigkeit von Betroffenen zu verbessern und möglichst lange zu erhalten.
  • Psychotherapie: Die durch den Parkinson-bedingten Dopaminmangel hervorgerufenen Symptome können die Psyche von Betroffenen sehr belasten. Auch können Angststörungen und Depressionen infolge der Diagnose auftreten, die im besten Fall psychotherapeutisch behandelt werden.

Tipps für den Alltag: Dopaminbildung anregen

Sie können auch im Alltag auf bestimmte Dinge achtgeben, um die Bildung von Dopamin auf natürliche Weise anzuregen. Unsere Tipps zur Unterstützung eines ausgeglichenen Dopaminspiegels:

  • Chronischen Stress abbauen: Die Bildung von Dopamin wird gehemmt, wenn wir permanent gestresst sind und unter Zeitdruck stehen. Gegen Stress helfen Entspannungsverfahren, u. a. Progressive Muskelentspannung, Yoga, Meditation, aber auch Tai-Chi und Qigong aus dem Bereich der TCM. Die Methoden helfen dabei, Stress zu reduzieren und zum ausgewogenen Dopaminspiegel beizutragen.
  • Schlafqualität verbessern: Dazu gehört, einen guten Schlafrhythmus zu entwickeln (z. B. immer zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen) und die Schlafumgebung angenehm zu gestalten (z. B. für genügend Dunkelheit und Ruhe sorgen). Ausreichend Schlaf von guter Qualität (etwa 7 bis 9 Stunden) kann auch zu einem ausgeglichenen Dopaminspiegel beitragen. Mehr Tipps gibt’s in unserem Artikel Schlafstörungen.
  • Regelmäßig Sport und Bewegung ausüben: Körperliche Aktivitäten können ebenfalls die Dopaminbildung anregen. Bereits nach 10 Minuten moderatem Ausdauertraining, z. B. durch Joggen, wird vermehrt Dopamin ausgeschüttet.
  • Ausgewogene Ernährungsweise beherzigen: Empfehlenswert wäre die mediterrane Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse, Omega-3-Fettsäuren in Olivenöl und Fisch, um den Stoffwechsel in unserem Gehirn generell positiv zu beeinflussen. Auch Proteine (Hülsenfrüchte, Milchprodukte) sollten regelmäßig auf dem Teller landen.
  • Musik hören und genießen: Wenn wir unsere Lieblingsmusik hören, wird auch die Hirnaktivität im Belohnungszentrum angeregt und diese ist reich an Dopaminrezeptoren.

Gut zu wissen: Regen wir ständig die Ausschüttung von Dopamin kurzfristig an, um unsere Glücksgefühle zu füttern, zum Beispiel wenn wir uns von Social-Media-Kanälen berieseln lassen, wirkt sich das langfristig negativ auf das System aus: Es stumpft allmählich ab. Daher sollten lieber unsere nachhaltigen Maßnahmen im Vordergrund stehen.